Wie fühlt es sich an, wenn man jeden haben könnte?

Wie fühlt es sich an, wenn man jeden haben könnte?
Michael Kensy - Michaels Blog
Typische Probleme von schwulen Menschen

Kennst du auch diese tollen Typen, die einfach jeden haben können, den sie haben wollen? Sie erscheinen auf einer Party, kommen überall leicht ins Gespräch, sind super smart und ernten schon nach kurzer Zeit von allen Seiten Bewunderung und Anerkennung. Am Ende verschwinden sie dann einfach mit dem süßesten Kerl dort und du denkst dir wieder nur Wow, wie hat er das gemacht?”. Hast du dich schon mal dabei ertappt zu denken, wie es sich wohl anfühlen muss, wenn man derart beliebt ist, dass man einfach nur mit dem Finger schnippen muss und zack hast du den Typen, der dir gefällt an der Angel und er frisst dir förmlich aus der Hand? Tolle Vorstellung oder? Keine Probleme mehr mit irgendwelchen Dating-Apps. Keine Ungewissheit, wie der andere über dich denkt. Du kannst dir einen Typen ganz nach deinen Vorstellungen aussuchen und ihn dann einfach ansprechen. Eine super Vorstellung oder?

Ich will dir sagen wie sich das anfühlt: Anstrengend und Langweilig!

Was sich in deiner Vorstellung so traumhaft schön anfühlt hat in der Realität ein paar grobe Mängel, die ich dir hier gerne einmal aufzeigen möchte, bevor du dich in solchen Gedanken verirrst.

1. Problem: Dein Realitätskonflikt

Das erste Problem in diesem Gedankenspiel bist du selbst. Wenn du dir wirklich schon mal ernsthaft diese Frage gestellt hast, dann sagt das ja auch etwas über dich aus. Denn jeden haben können bedeutet, dass es gerade nicht so ist. Du lebst also in einem Konflikt mit deiner jetzigen Realität. Im Prinzip heißt das ja, dass du dir nicht zutraust jeden haben zu können, den du gerne möchtest. Du siehst dich selbst nicht als toll genug an, dass du einfach auf jemanden zugehen kannst, um ihn anzusprechen und von dir zu überzeugen. So wie du gerade bist magst du dich also nicht und so wie du gerne sein willst, kannst du nicht sein. Ziemlich frustrierend oder? Auf der anderen Seite ist das auch ziemlich bequem. Denn damit hast du eine tolle Ausrede, warum du den tollen Kerl eben nicht ansprechen musst, der dir gefällt. Du bist halt eben nicht der Typ, der jeden haben kann. Dafür bist du nicht fit genug, nicht smart genug, nicht selbstbewusst genug, nicht schön genug, nicht [füge hier irgendwas ein, was ebenfalls passt] genug. Mit anderen Worten: Du erlegst dir selbst eine Art Opferrolle auf “kann ich halt nicht ändern“, nur um der Möglichkeit aus dem Weg zu gehen, dass du von anderen abgelehnt oder verletzt wirst und Scham empfinden musst. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass du immer diesen inneren Konflikt erleben wirst zwischen der Vorstellung, jemand anderes sein zu wollen und der Erkenntnis, dass du so aber gerade nicht bist. Solche inneren Konflikte sind auf Dauer ziemlich anstrengend.

2. Problem: Ausbleiben von persönlichem Wachstum

Aber nun stell dir mal vor wie es wäre, wenn du so wärst, dass du doch jeden haben könntest. Dann wirst du zwangsläufig auf Problem Nummer 2 treffen, dein persönlicher Wachstum. Oder viel mehr das Ausbleiben von Wachstum. Könntest du wirklich jeden haben, dann würdest du dich selbst um deine eigenen Entwicklungschancen bringen. Denn jemanden kennenzulernen bedeutet eben auch, dass du nicht weißt, wie der andere fühlt und was er über dich denkt. Aber gerade diese Ungewissheit, ob er dich mag oder nicht und wie er über das erstes Date denkt, macht den Reiz des Kennenlernens doch aus. Nur so kann auch echte Verliebtheit entstehen. Neue Menschen kennenlernen (und vor allem einen potenziellen Partner finden) ist agieren außerhalb deiner Komfortzone! Dort ist das Ungewisse, die Angst. Aber genau hier findet Wachstum statt. Bleibst du innerhalb deiner Komfortzone, wirst du dich nicht verändern. Du wirst immer dieselben Probleme haben, die du schon immer hattest ohne sie lösen zu können. Menschen sind für Wachstum geschaffen, es liegt quasi in unseren Genen. Natürlich ist es super unangenehm außerhalb der eigenen Komfortzone zu handeln, aber in der Regel lohnt es sich immer, weil am Ende ein Wachstumssprung die Belohnung ist. Wenn du nicht wächst, stehst du still und Stillstand ist Rückschritt wie es so schön heißt. Wenn du also tatsächlich jeden haben kannst bedeutet das entweder, dass deine Komfortzone schon so groß ist, dass du eh keine Angst mehr hast auf Leute zuzugehen. Dann würdest du aber vermutlich auch keinen Gedanken daran verschwenden á la “Wie wäre es wenn…”. Oder du begibst dich nur mit Leuten in Kontakt vor denen du weißt, dass sie dich nicht ablehnen würden. Dann beschränkst du dich aber auf einen Personenkreis und verpasst ganz viele andere Menschen. Dann kannst du eben doch nicht jeden haben.

3. Problem: Langweiliges und anstrengendes Beziehungsleben

Das dritte Problem betrifft das Beziehungsleben. Jetzt stell dir mal vor du hast dir einen Typen ausgesucht, ihn angesprochen und er konnte dir nicht widerstehen. Dann ist ein tiefes Kennenlernen so gar nicht möglich. Du würdest deinen neuen Schwarm also einfach um den Finger wickeln können. Dein Gegenüber ist dann ja offensichtlich so von dir angetan, dass er sich verbiegen wird um dir dauerhaft zu gefallen. Er wird um den Umstand wissen, dass du auch einfach jemand anderes haben könntest, wenn du willst. Also präsentiert er sich immer von seiner besten Seite und wird versuchen dir alles Recht zu machen. Authentizität ist nicht vorhanden und sein wahres Ich bleibt dir damit verborgen. Wie sieht das Alltagsleben dann in so einer Beziehung aus? Egal was du machen willst, deine neue bessere Hälfte will das auch machen. Er wagt es nicht mit dir zu diskutieren oder gar seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, denn dann läuft er Gefahr dich zu verärgern oder zu enttäuschen und damit auch zu verlieren. Da du ja wirklich jeden haben kannst, hat er also Angst, dass du ihn für jemand anderen verlässt. Das sieht dann im Alltagsleben z.B. so aus:
 

Abendplanung:

Du: “Schatz wollen wir heute zusammen ins Kino gehen oder lieber ins Restaurant?
Dein Schatz: “Och mir ist das im Prinzip egal, Hauptsache was mit dir machen!”

Lieferdienst:

Du: “Ich glaube ich nehme heute mal den Gyrosteller, aber ohne Pommes, dafür mit Süßkartoffeln, Reis, aber ohne Zaziki, dafür lieber mit der tollen Grillsauce. Was willst du Schatz?
Dein Schatz: “Oh das klingt toll, das nehme ich auch

Ich denke du weißt worauf ich hinaus will oder? Du bestimmst ALLES und das ist auf lange Sicht nicht nur langweilig sondern auch super anstrengend. Es entsteht keine Reibung, an der ihr wachsen könnt. Ihr inspiriert euch nicht gegenseitig, um Neues auszuprobieren sondern macht immer nur das, was du vorschlägst. Du brauchst also immer einen Plan, was ihr machen wollt. Das bedeutet also auch hier findet für dich kein Wachstum statt.

Akzeptiere die Realität und erfreue dich dran

Ein besserer Ansatz ist es, dass du dir bewusst machst, dass du gerade einen inneren Konflikt austrägst, wenn du Gedanken dieser Art denkst. Bewusstmachung ist immer der erste Schritt zur Veränderung. Anstatt dir zu wünschen, dass du jemand anders wärst als du gerade bist, darfst du erstmal wertschätzen wer du bist. Nämlich ein absolut fantastischer Typ und verdammt gut so wie du bist. Du darfst deine Realität genau jetzt so akzeptieren wie sie ist. Das bedeutet nicht, dass du sie nicht verändern kannst. Aber jetzt gerade bist du eben genau du und nicht jemand anders. Mach dir das einmal mit allen Sinnen klar und sage dir innerlich “Ich bin wie ich bin und das ist gut so”! Im zweiten Schritt kannst du dir dann Gedanken darüber machen, was du gerne an dir verändern möchtest. Achte dabei aber auf deine Authentizität und deine inneren Beweggründe. Willst du anders sein weil du das Gefühl hast Erwartungen anderer entsprechen zu müssen oder willst du anders sein weil du eine Vorstellung davon hast, was dich in Zukunft innerlich glücklich macht. Mit anderen Worten willst du anders sein aus Gründen des Mangels oder aus Gründen des Wachstums.

Fazit

Also wie fühlt es sich an, wenn du jeden haben kannst? Anstrengend und langweilig. Sei dir dessen bewusst, bevor du solchen Gedanken gestattest von dir Besitz zu ergreifen. Was sich im Kopf vielleicht erstrebenswert anfühlt, bremst dich in der Realität tatsächlich eher aus. Erfreue dich lieber an dem natürlichen Prozess des Kennenlernens. Ja, es ist mit Angst und Ungewissheit verbunden. Aber genau das macht ja den Charme des Kennenlernens aus. Am Ende fühlt es sich viel besser an, wenn du auf eine Beziehung hingearbeitet hast und du einen Partner gefunden hast, mit dem du Neues erleben kannst, indem ihr beide die Beziehung gestaltet und nicht nur du.

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